"Brief an einen untoten Emotionalisten"

Liebe,eine unwillkürliche Muskelkontraktion

…oder die Geschichte, warum der Holzwurm nicht durch Stein beißen kann.


Komm, nur noch ein bisschen…
Eine Bedingung die ich stelle, wenn ich erwarte, dass ER auf sie eingehen wird, obwohl ich die Gewissheit habe, dass er steht’s die Negation auf meine Bedingungen erwidert.
Jeden Tag erwache ich mit Zwei Dämonen in meinem Bett. Der eine sich Heuchlerisch neben mir windend, der andere selig schlafend und doch ebenso eine Bedrohung. Ich lege meine Wünsche und Bedürfnisse, die nach all der Pein noch immer Groß sind ab, sobald die Sonne meine Nase kitzelt und meine Füße aufgrund meiner viel zu kurzen Bettdecke die kalte Luft des Kellerraumes entdecken.
Ich verfluche diese Situation jeden Tag aufs Neue. Das du nicht da bist, dass du scheinbar gar nicht da sein willst, und das ich doch jeden morgen immer wieder aufwache. Das Programm wieder von vorne beginnt.

Ja ich bin ein Akteur. Gewiss sogar ein besserer als ich es mir selbst eingestehe. Ich schaue in den Spiegel und parodiere das wenige Ich was mir durch SIE geblieben ist. Spott und Hohn, und das nur weil ich für das eine Lebe. Für die Liebe.
Ich verrate euch was. Ich trage sie jeden Tag bei mir. In einem kleinen Einmachglas flattert sie vor sich hin. Wenn ich einen ruhigen Ort finde, hole ich sie hervor und betrachte sie. Anders schaffe ich nicht, dieses Gefühl in meinen Erinnerungen wieder auftauchen zu lassen. Es ist lange her, dass du gegangen bist. „Ob du nun weinst, oder nicht, ich werde trotzdem gehen.“
Und du hast dein Versprechen wahr gemacht.
Und wieder habe ich sämtliche Erwartungen die gestellt wurden erfüllt. Ich reiße mich zusammen, obwohl es nichts bringen würde, selbst wenn ich es nicht tun würde.
Man kennt mich nur so, und doch erkennt man mich nicht anders.

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Als du mich das erste Mal geschlagen hast, mit deiner Ignoranz keine Rücksicht zu nehmen, war für mich der Punkt angelangt, den Krieg zu beginnen. Du hast es nicht verdient, das ist mir bewusst, aber dementsprechend auch egal.
Denn du bist schließlich einfach weggegangen. So wie alle anderen auch. Und wieder wird von mir das Selbe erwartet wie von den anderen.
Es liegt nicht in meinem Naturell traurig über Verluste zu sein. Diese gesegnete Eigenschaft habe ich verloren, und ja ich bin ein Verfluchter. Ein Untoter gestellter Emotionen.
Und jedes Mal tauchst du wieder unangemeldet auf, weil du immer noch denkst, ich würde Überraschungen lieben, weil ja alle denken, dass mein verspielter naiver kleiner Junge, der sein kleines Puppentheater täglich auf der Strasse ausführt sich über das Unerwartete freut.
Doch hasse ich nichts mehr, als das Unerwartete. Die negative Überraschung die meint, auf Geburtstagen 8-jähriger voll betrunken aufzutauchen. Die negative Überraschung, die Sex an deinem 14. Geburtstag mit seinem neuen Lebensabschnittgefährten im Wohnzimmer hat und die anderen Gäste sich an dem Schmierentheater ergötzen. Die negative Überraschung die sich beinahe mit 2,8 Promille tot fährt, und die dich inmitten deiner Identitätsfindungen immer und immer wieder bloß stellt. Und mit was bestraft man mich?
Mit einer Hülle gegossen in einer Aussage nichts aussagen zu müssen. Wie gesagt, ich bin ein Untoter Emotionalist. Der Dorian Gray des 21. Jahrhunderts, der keinen Einfluss auf Seine Umwelt und Vergangenheit nehmen konnte, die fasst alles bedrängt hat was das EGO versucht hat mit Willen aufzubauen. Dass immer wieder in die Knie gezwungen wurde.
Und da lächelst du. Du Clown morgens im Badezimmerspiegel. Ich mache mich über dich lustig, wasche dein Gesicht und suche nach einer falte, einem Grübchen. Doch Spuren von Zeit und der Traurigkeit die sich die letzten Jahre wie ein Damokles Schwert über dich ziehen zeigen keine Wirkung. Doch wo steht mein Portrait? Wo finde ich das Bild, was für mich leidet, was mir hilft zumindest zu verstehen, was oder wer kompensiert, wenn mir es nicht gestattet wird.
Und dann kommst, und gehst du.
Du wolltest mich. Um jeden Preis, weil du genau den kleinen Prinz liebst. Der kleine Junge mit den großen Augen, der nie eine negative Überraschung gesehen haben. Dessen Lippen zerschnürt sind, und der dich nur anschaut.
Und du nimmst mich in den Arm. Ich verstehe nicht was immer wieder passiert. Obwohl du nichts von alledem weißt, bist du mehr als mein Portrait. Du bist mein Basil Hallvard, meine Achilles Ferse. Immer wieder stürze ich ein. Muss mich mit den beiden Dämonen konfrontieren die eben noch in meinem Bett lagen. Und du bekommst sie immer wieder ab. Und das mit aller Kraft.
Und obwohl du ein riesiger Holzwurm bist, und schon das robusteste Mobiliar zerfressen hast, so beißt du dir doch immer wieder die Zähne aus. Denn durch Stein kommst du leider nicht.
Ich liebe dich. Das tut so weh, dass zu sagen, denn ich will es genießen. Ich möchte nicht das Gesellschaftstier sein, sondern der kleine Prinz, der sich an den kleinen Dingen erfreut. Der die Schnüre aus dem Fleisch schneidet und wieder schreien kann.

Jedes Mal ist es dann das Gleiche: Ich erhole meine Seele, und spüre wenn ich neben dir aufwache, dass ich nicht ganz allein bin. Dein Atem schlägt in meinem Nacken jede Sekunde tot, die zerrinnt bis du wieder gehen musst. Du bist ein Charmeur, bringst das Frühstück, gibst mir einen Kuss, lässt dir einen blasen. Ein altes Spiel: Eine Routine die aber in ihrer Stupidität Halt schafft.
Und doch, obwohl du selbst aus Stein zu sein scheinst, bist du es der eine Träne weint, wenn der Abschied kommt. Mein großer starker Holzwurm mit den Waldbodenaugen. Mein Basil der an unserem Schicksal nichts machen kann, der trotzdem nie das negative sieht, und die Dämonen ignoriert, die auch dich in Versuchung bringen wollen.
Und dann sagst du, „bis zum nächsten Mal“, Ich liebe dich.
Die Tür geht zu.

Mein Herz ist eine unwillkürliche Muskelkontraktion. Es ist der emotionale Orgasmus der mir scheinbar nur gegönnt ist, wenn du auch „kommst“.
Und das tust du so selten. Beides

29.11.07 00:37

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


SylwiaMl / Website (11.8.17 02:03)
Prawdziwie ciekawy artykuł! Z pewnością przekażę dalej. happyman.pl

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